Gleisstrecke Hechingen-Eyach: Kontroverse um die vergessene Bahn

Die Meinungen über die Reaktivierung der Bahnstrecke sind verschieden. ⇥
Andrea SpatzalDie Gemeinde Rangendingen befürwortet die Wiederbelebung der Gleisstrecke Hechingen-Eyach. Das hat der Rangendinger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung im Gemeindehaus mehrheitlich mit drei Enthaltungen beschlossen und eine dementsprechende Resolution verabschiedet.
Eine von drei potenziellen Strecken im Zollernalbkreis
Das Verkehrsministerium hatte im Januar 2019 das Projekt „Vergessene Bahnen“ ins Leben gerufen. Dies nahm der Zollernalbkreis zum Anlass, um die Strecke Hechingen-Eyach als Prüfprojekt zur Reaktivierung beim Verkehrsministerium anzumelden, erläuterte Rangendingens Bürgermeister Johann Widmaier.
Im Ländle gäbe es 41 potenzielle, stillgelegte Gleisstrecken; drei davon befinden sich im Zollernalbkreis: die „Talgangbahn“ von Albstadt-Ebingen nach Onstmettingen, die Strecke von Balingen nach Schömberg (mit Anbindung bis nach Rottweil) sowie die Eyachtäler Gleisstrecke von Hechingen über Rangendingen und Haigerloch nach Eyach.
Am Ende des Selektionsprozesses bleiben 15 Strecken, die mit spezifischen Fördergeldern aus dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz unterstützt werden. Ob es am Ende die Strecke Hechingen-Eyach ist, wird sich zeigen.
Anbindung an Ballungsräume und ressourcenschonendes Pendeln
Eine Reaktivierung der Gleisstrecke Hechingen-Eyach hat in Hechingen, Rangendingen, Haigerloch sowie Horb-Mühringen großes Interesse geweckt. Bewohner entlang der Bahnstrecke könnten durch eine Anbindung via Schienenpersonennahverkehr an die lokalen Verdichtungsräume Hechingen, Horb a.N. und Rottenburg a.N. profitieren.
Zudem ist ein Anschluss an die Ballungsgebiete Tübingen, Reutlingen und Stuttgart ressourcenschonend möglich.
Haigerloch, Hechingen und Horb sind für Wiederbelebung der Strecke
Sowohl der Gemeinderat der Stadt Haigerloch als auch Hechingen und Horb haben der Resolution bereits zugestimmt.
Zweifel am Fahrgastpotenzial in Rangendingen
„Es wäre zwar schön, wenn wir wieder eine Bahnstrecke hätten“, so Widmaier und bezweifelte aber das Fahrgastpotenzial der Strecke von 1000 Fahrgästen am Tag. Das könne nicht so hoch sein, fand Widmaier.
Aber „in Solidarität mit anderen Kommunen hier„ will sich der Gemeinderat Rangendingen nun der Resolution anschließen und die Bahnstrecke Hechingen-Eyach reaktivieren. Und wer weiß schon, was noch kommt? Und dann sei das Vorhaben ja sinnvoll, sinnierte Johann Widmaier über die Zukunft.
Kritik von den Anwohnern im Baugebiet Au
Nicht so rosig sehen es einige Rangendinger. So gab es eine Unterschriftenliste von 36 Anwohnern im Baugebiet Au. Die Kritiker möchten vor allem ihr „schönes Rangendingen ohne Zuglärm weiterhin genießen„.
„Wir, die Bewohner des Baugebiets Au sind ausdrücklich dagegen!“, so die 36 Unterzeichner und baten Bürgermeister Widmaier und den Gemeinderat von einer Solidarisierung bezüglich dieses Projektes abzusehen.
Bewusste Entscheidung für Idylle im ländlichen Raum
„Wir alle haben uns bewusst für die Gemeinde Rangendingen entschieden, nicht nur wir, sondern vor allem auch unsere Kinder wollen im ländlichen Raum in der Idylle aufwachsen“, unterstreichen sie. Der Zugang zur Natur, der Starzel und den Sportanlagen sei in ihrem Baugebiet Au „mehr als perfekt und ohne große Gefahr„ für die Anwohner oder deren Kinder. Und das solle so bleiben, finden sie.
Unsicherer Fußweg?
„Auch viele weitere Bewohner aus Rangendingen nutzen regelmäßig den landwirtschaftlichen Weg als Zugang zu den Sportanlagen und Zugang für Spaziergänge und Wanderungen.
Durch den Ausbau der Strecke wäre nicht nur der Zuglärm ein großes Problem, sondern auch der Bahnübergang, der so nicht mehr sicher wäre“, befürchten die Kritiker.
Großes Ärgernis bei 38 Zügen pro Tag
„Wir alle haben uns teilweise schon 2016 für einen Bauplatz beworben unter der Berücksichtigung, dass die Zugstrecke von Haigerloch nach Hechingen dort verläuft, aber nur fünf- bis sechsmal wöchentlich ein Güterzug fahren wird“, so die Unterzeichner.
Es wäre ein großes Ärgernis, wenn bis zu 38 Züge täglich dort fahren, „und wir als Anwohner diesem bis dato nicht planbaren Lärm ausgesetzt wären“.
„Zum Nulltarif gibt es das nicht“
„Weiterhin stellt sich die Frage welche beziehungsweise wie viel Kosten die Gemeinde Rangendingen übernehmen muss, und ob sich das überhaupt bezahlt macht?“, überlegen die Kritiker. „Zum Nulltarif gibt es das nicht“, weiß auch Bürgermeister Widmaier.
Hinzu käme, dass der Bahnhof weit entfernt von der Schule sei, und Schüler würden diese Bahnverbindung dann hauptsächlich nutzen, so Widmaier. Die Unterzeichner finden: „Für Schüler ist diese Verbindung, unserer Meinung nach, wenig praktikabel, da die Schulen fußläufig zu weit weg sind und dadurch noch ein zusätzlicher Bustransfer nötig ist.“
Stärkung der ländlichen Region, aber mit Lärmschutzmaßnahmen
Dennoch hielt der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montagabend am Ziel mit den anderen Städten und Gemeinden fest, die Attraktivität der Strecke zu fördern, „um damit den Öffentlichen Personennahverkehr in unserer ländlichen Region zu stärken“, um den Bürgern entgegenzukommen, mit der Vorgabe, dass „geeignete Lärmschutzmaßnahmen entlang der Bahnstrecke für die Anwohner realisiert werden„.